Der Krampus –
Die dunkle Seite des Südtiroler Advents

Sein Tag, oder besser gesagt, seine Nacht, ist der 5. Dezember. Am Vorabend des Nikolaustags wird es auf Südtirols Straßen, Gassen und Plätzen, richtig gruselig. Der Krampus, eigentlich in Südtirols Brauchtum ursprünglich der Begleiter und Helfer des heiligen Nikolaus, treibt mal wieder sein Unwesen.

Archaisch und oft richtig furchteinflößend kommt er daher. Der Krampus, ursprünglich der bedrohliche, dunkle Konterpart des Nikolaus im alpenländischen Brauchtum, hat sich mittlerweile zu einem selbstständigen Phänomen entwickelt. An zahlreichen Orten in ganz Südtirol finden, über mehrere Wochen verteilt, spektakuläre Krampusläufe statt.

So geht es beispielsweise in Toblach zu, wenn die Krampusse los sind:

Krampusse in allen Variationen, bei manchen Umzügen über hundert, ziehen dann durch die Gassen des jeweiligen Dorfes, machen mit ihren Ketten und Kuhglocken einen ohrenbetäubenden Lärm und versuchen sich in furchteinflößenden mündlichen Lautäußerungen.

Bis vor einigen Jahrzehnten bestand die Aufgabe des Krampus lediglich drin, den heiligen Nikolaus auf seinem Rundgang von Haus zu Haus zu begleiten und das eine oder andere Kind, das übers Jahr nicht unbedingt den allgemeinen Vorstellungen von „brav“ entsprochen hatte, in seinen Korb zu stecken und ihm so und mit Hilfe seiner Rute ordentlich Angst einzujagen. Nun – diese Zeiten sind zum Glück vorbei.

Der Krampus-Umzug in Naturns:

Heute sitzt der Krampus, wenn er denn überhaupt noch den Nikolaus begleiten darf, brav neben ihm in der Stube oder muss gar draußen vor der Tür warten. Was bleibt ihm dann eigentlich anderes übrig, als sich bei Umzügen auszupowern.

 

5 Fragen an Herrn K.

Ein nicht ganz ernst gemeintes Kurzinterview mit dem Herrn der Südtiroler Finsternis

  1. Wie Lieber (darf man überhaupt „lieber“ sagen?) Herr Krampus, wie ist es, jedes Jahr nur einige Wochen an die Öffentlichkeit treten zu dürfen? Was machen die restliche Zeit?
    Nun ja…. Eigentlich lässt es sich gut leben. Die Vorweihnachtszeit ist zwar ziemlich stressig, aber man weiß dann zumindest, was man getan hat. Nach dem großen Trubel nehme ich mir meistens eine ordentliche Auszeit in einem Südtiroler Wellnesshotel. Man muss ja irgendwie wieder runterkommen. Außerdem: Meine Kollegen und ich haben uns das verdient.

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  2. Kinder schlagen, in den Korb packen, das eine oder andere von ihnen fressen… Haben Sie Sehnsucht nach der „guten, alten Zeit“?
    Es waren halt andere Umstände damals. Ich war früher auch nicht immer glücklich mit dem Prozedere. Aber heute ist es zum Glück ja anders (stochert mit einem Zahnstocher in seinem Maul, während ihm ein leiser Rülpser entfährt, den er diskret unterdrückt).

  3. Welcher Krampuslauf gefällt Ihnen am besten?
    Natürlich habe ich viel Freude mit den richtig großen Umzügen, wie etwa in Toblach. Da trifft man Kollegen, die man nur einmal im Jahr sieht, und tauscht sich über Familie, Arbeit, oder auch Makeup aus. Aber auch die kleineren Umzüge überall im Land haben ihr eigenes Flair.

  4. Als Krampus tragen Sie bereits von Haus aus eine Maske. Ein Vorteil in Zeiten von nicht näher genannten Pandemien?
    Sicherlich. Obwohl ich als Teufel ja nicht wirklich ansteckend bin und auch keine große Angst habe, dass ein Virus vom Menschen auf mich überspringen könnte.

  5. In diesem Jahr werden Sie trotzdem nicht viel zu tun haben …
    Das würde ich so nicht sagen. Die meisten Umzüge sind zwar abgesagt, aber es findet sich immer wieder ein Örtchen, an dem man Leute erschrecken kann. Da ist es egal, wenn man allein unterwegs ist.

 

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Andreas
Geschrieben von Andreas Obexer Südtirol-interessierter Vater zweier kleiner Kids, der es liebt, seine Heimat immer wieder neu zu entdecken. Neben der wunderschönen Landschaft interessiert er sich besonders auch für Kultur, Tradition und Brauchtum in diesem wunderschönen Land. Sobald die Kinder etwas größer sind, will er gemeinsam mit ihnen auf Entdeckungsreise gehen.