Veröffentlicht: 18.02.2026 Geschrieben von: Andreas Obexer Lesezeit: 7 Min.
Zwischen Bergluft, Hopfen und gelebtem Handwerk:
Bierkultur aus Südtirol
Zwischen Apfelwiesen und Berggipfeln, klaren Quellen und jahrhundertealtem Handwerk hat sich in Südtirol eine Bierkultur entwickelt, die überrascht. Wer an die Region denkt, denkt vielleicht zuerst an Wein – und entdeckt dann etwas anderes: Bier aus Südtirol, gebraut mit Mut, Neugier und feinem Gespür für Geschmack.
Vom traditionsreichen Sudhaus bis zur kleinen Handwerksbrauerei entstehen Biere mit Charakter. Sie erzählen von reiner Bergluft, von regionalen Zutaten und von Menschen, die lieber experimentieren als kopieren. Brauereien in Südtirol sind keine anonyme Industrie, sondern persönliche Projekte – verwurzelt in der Landschaft, offen für neue Ideen.
Diese Geschichte führt zu bekannten Namen ebenso wie zu jungen Brauern, die neue Wege gehen. Sie zeigt, warum Südtirols Biere heute weit über die Landesgrenzen hinaus geschätzt werden – und warum es sich lohnt, genauer hinzuschmecken. Denn hinter jedem Glas steckt mehr als nur Hopfen und Malz: ein Stück Südtirol, gebraut mit Gefühl für Herkunft und Geschmack.
Bierkultur und Handwerksbrauereien in Südtirol
Südtirols Bierlandschaft ist geprägt von Nähe und Überschaubarkeit. Neben traditionsreichen Brauereien mit großer Geschichte prägen vor allem kleinere Betriebe und Handwerksbrauereien das Bild – oft eng verbunden mit Gasthäusern, Höfen oder Familienbetrieben. Gebraut wird mit Zeit, Sorgfalt und einem klaren Anspruch an Qualität und Trinkbarkeit.
Auffällig ist dabei die Bandbreite: klassische Lagerbiere stehen neben kreativen Interpretationen, bodenständige Sorten neben experimentellen Kreationen. Was sie verbindet, ist weniger ein einheitlicher Stil als der Wille, eigenständig zu bleiben und Geschmack nicht zu vereinheitlichen.

Vielfalt im Glas
Ob groß oder überschaubar, ob mit Restaurant oder ohne: Hinter jeder Brauerei steckt eine eigene Handschrift. Die folgenden Kurzporträts geben Einblick in Südtirols Bierlandschaft – von urbanen Brauhäusern bis zu kleinen Betrieben in den Tälern.
- Gassl Bräu (Klausen) – www.gassl-braeu.it
Im malerischen Klausen pflegt Gassl Bräu regionale Brautradition mit klarem Fokus auf handwerklich gebraute Biere, die Lust auf Vielfalt und Entdeckung machen.
- GustAhr (St. Johann/Ahrntal) – www.gustahr.com
GustAhr vereint im Ahrntal regionale Produkte und Braukunst zu Bieren, die Heimatverbundenheit und Genuss in jedem Schluck spürbar werden lassen.
- Hopfen & Co. (Bozen) – www.boznerbier.it
Hopfen & Co. kombiniert städtischen Craft-Spirit mit Südtiroler Lebensart und bringt im Herzen von Bozen Biere auf den Tisch, die Charakter zeigen.
- Hubenbauer (Vahrn) – www.hubenbauer.com
Die Hofbrauerei Hubenbauer steht für handwerklich gebraute Biere mit klarer Handschrift, bei denen Experimentierfreude und regionale Verbundenheit zusammengehen.
- Martinsbräu (St. Martin i. Passeier) – martinerhof.it
Im Brauhaus Martinerhof entstehen im Passeiertal Biere, die traditionelle Braukunst mit gastlicher Atmosphäre verbinden und Gaumen wie Gemüt ansprechen.
- Mendelbier (Kaltern) – www.mendelbier.it
Aus dem Weindorf Kaltern kommt Mendelbier: ungefilterte Biere mit frischem Quellwasser und regionalem Hopfen, die zwischen Weinbergen und Seen ihren eigenen Charakter entfalten.
- Monpiër (St. Ulrich/Gröden) – www.monpier-gherdeina.it
Monpiër de Gherdëina bringt mit seinen Bieren alpine Ruhe und lokale Identität ins Glas und macht die Besonderheit der Dolomiten im Geschmack spürbar.
- Pfefferlechner (Lana) – freedl.it
Pfefferlechner in Lana verbindet Biergenuss mit Gastlichkeit – von klassisch gebrauten Sorten bis hin zu alkoholfreien Varianten.
- Probiers (Schlanders) – www.instagram.com
Probiers braut Bier in kleinen Mengen und mit viel Lust am Ausprobieren. Die Biere entstehen abseits fester Stilvorgaben – handwerklich, direkt und mit eigener Handschrift.
- Rienzbräu (Bruneck) – rienzbraeu.bz.it
Das Rienzbräu in Bruneck ist zugleich Brauerei, Pizzeria und Restaurant. Es bietet eine Auswahl klassischer und saisonaler Biere, die in der rustikalen Gaststube und im sonnigen Biergarten gleichermaßen begeistern.
- Viertel Bier (Schabs) – www.viertel-bier.it
Viertel Bier in Schabs braut bodenständige, geschmackvolle Biere mit regionalem Bezug – klare Charaktere, die Lust auf Experimentieren machen.
- Brückenwirt (St. Leonhrard i. Passeier) - hoellenbraeu.com
Die Höllenbräu-Biere stehen für kräftige, eigenständige Charaktere – Biere mit Persönlichkeit, die Spaß am Genuss und an überraschenden Geschmacksnuancen zeigen.
- Mount Becher (Ridnaun) – mountbecher.com
Mount Becher aus Ridnaun bringt Bergwelt und Braukunst zusammen: klare, alpine Biere, die die klare Luft und Energie des Tals im Glas widerspiegeln.
- AH Bräu (Franzensfeste) – www.sachsenklemme.it
AH Bräu in der so genannten Sachsenklemme bei Franzensfeste kombiniert traditionelle Brautechniken mit regionaler Identität und bietet Biere, die klassisch und gleichzeitig charaktervoll sind.
- Batzen Bräu (Bozen) – www.batzen.it
Im historischen Batzenhäusl in Bozen braut Batzen Bräu vielfältige Biere von Vienna Lager bis IPA und zeigt, wie lebendig Craft-Bier in Südtirol schmecken kann.
- Forst (Algund) – www.forst.it
Die größte Brauerei Südtirols in Algund produziert eine breite Auswahl an Bieren mit klarer Struktur und großer Trinkbarkeit.
- Antonius (Völs am Schlern) – www.antonius-bier.com
Antonius Bier aus Völs am Schlern folgt dem deutschen Reinheitsgebot und vereint klare Aromen mit einem Stil, der bodenständigen Genuss mit regionalem Charakter verbindet.
- Pustertaler Freiheit (Niederdorf) – www.pustertaler-freiheit.com
Pustertaler Freiheit braut Biere mit starkem regionalem Bezug, die Tradition und moderne Brauideen im Pustertal vereinen.
- Klosterbräu Weißenstein (Deutschnofen) - www.weissenstein-pietralba.com
Hoch in den Dolomiten wird naturtrübes Bier gebraut. Das Helle überzeugt mit fruchtigem Aroma, während das Sinner Beer mit Karamell- und Honigaromen verführt.

„Ein Bier soll Lust auf den nächsten Schluck machen.“
Bier aus Südtirol lebt von Menschen, die ihr Handwerk ernst nehmen und trotzdem neugierig bleiben. Einer von ihnen ist Gregor Wohlgemuth von der Hofbrauerei Hubenbauer.
Im Gespräch erzählt er von seiner Arbeit, von Geschmack – und davon, was für ihn gutes Bier ausmacht.
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Von Biervielfalt und NeugierDas Thema Bier und seine Vielfalt begleitet Gregor seit seiner Jugend. „Als junger Musikant“, so Gregor, „bin ich viel herumgekommen und stellte schnell fest, dass Bier nicht gleich Bier ist.“ Unterschiedliche Bierstile, regionale Prägungen und der Einfluss von Geografie und Geschichte auf Bierkulturen faszinierten ihn früh.
Seit er, gemeinsam mit Alex Stolz, dem eigentlichen „Hubenbauer“, professionell Bier braut, begeistert die beiden vorwiegend eines: der riesige gestalterische Spielraum. Aus nur vier Rohstoffen – Wasser, Malz, Hopfen und Hefe – lassen sich sowohl traditionelle, stilgerechte Biere als auch völlig neue Interpretationen entwickeln. Diese Mischung aus Handwerk und Freiheit macht für ihn den Reiz des Bierbrauens bis heute aus.
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Landwirtschaft, Rohstoffe und echtes HandwerkBeim Hubenbauer spielt die Herkunft der Rohstoffe eine zentrale Rolle. Seit 2010 besitzt der Betrieb eine Braulizenz – und hat seither konsequent auf eine enge Verbindung zwischen Landwirtschaft und Brauerei gesetzt. Die Felder des Hofes werden heute (neben anderen Produkten) für den Anbau von Braugerste und anderen Getreidesorten genutzt, ergänzt durch zwei kleine Hopfengärten.
Damit nimmt die Brauerei Hubenbauer unter den Südtiroler Handwerksbrauereien eine besondere Stellung ein: als landwirtschaftlich arbeitender Betrieb, der „landwirtschaftliches Bier“, also „birra agricola“ braut. Ähnlich wie beim Wein lassen sich auch im Bier die Rohstoffe schmecken. Vor allem der Hopfen nimmt Aromen aus dem Boden auf und entwickelt eigene Noten, die Gregor bewusst in bestimmten Bieren einsetzt, etwa im Hellen.
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Kleine Sude, große AbwechslungBegonnen hat alles mit einem kleinen, selbstgebauten Sudhaus. 2019 wurde der alte Stadel renoviert und zur Brauerei umfunktioniert. „Heute braue ich auf einem halbautomatischen 5-Hektoliter-Sudhaus, das uns Nähe zum Produkt und große Flexibilität im Alltag bietet”, so der Brauer. Aktuell entstehen beim Hubenbauer rund zwölf verschiedene Bierstile – einige saisonal, die meisten ganzjährig erhältlich. „Diese Vielfalt wäre mit einer größeren Anlage nicht möglich. Kleine Sude erlauben es, zu experimentieren, anzupassen und immer wieder Neues zu wagen.“
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Wie neue Biere entstehenNeue Ideen entstehen oft beim Probieren in anderen Brauereien oder beim Lesen von Bierbeschreibungen. Weckt ein Stil Gregors Interesse und passt er zum Lokal und zur Philosophie des Hubenbauers, vertieft er sich intensiv in das Thema. Gemeinsam mit Alex wird diskutiert und abgewogen.
Überzeugt die Idee, entstehen zunächst kleine Probesude von etwa 25 Litern. Das Rezept wird verfeinert, angepasst und erst dann auf der großen Anlage gebraut. Manchmal bringt auch Alex neue Ideen ein – dann muss er Gregor davon überzeugen. Bei aller Experimentierfreude steht eines immer im Mittelpunkt, nämlich die sogenannte “Drinkability”: Ein Bier soll Lust auf den nächsten Schluck machen. Auch komplexe Biere müssen trinkbar bleiben.
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Frische statt HaltbarkeitHandwerklich gebrautes Bier bedeutet für Gregor vor allem eines: Frische. Die Biere sind unbehandelt, nicht filtriert und nicht pasteurisiert – naturbelassen und lebendig. Das wirkt sich positiv auf den Geschmack aus, bringt aber auch Einschränkungen bei der Haltbarkeit mit sich.
Bier reift weiter, verändert sich und altert schneller als Industriebier. Deshalb gibt der Hubenbauer eine empfohlene Haltbarkeit von vier Monaten nach der Abfüllung an. Gregor Wohlgemuth: “Nicht, weil das Bier danach schlecht wäre, sondern weil es frisch getrunken werden soll.”
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Gemeinschaft statt KonkurrenzSüdtirol ist historisch sowohl Wein- als auch Bierland. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es über 25 größere Brauereien, viele davon verschwanden durch Krieg und politische Umbrüche. Nach einer längeren Durstphase sind heute wieder über 20 Braulizenzen vergeben – die meisten davon an Handwerksbrauereien.
Wie ist das Verhältnis zu den anderen Brauereien? „Wir arbeiten eigentlich freundschaftlich zusammen. In einem gemeinsamen Verein unterstützen wir uns gegenseitig, etwa bei Projekten wie dem Anbau von Südtiroler Braugerste für gemeinschaftliche Biere. Konkurrenzdenken spielt dabei kaum eine Rolle.” Gregor, der selbst mehrere Jahre Präsident der Südtiroler Handwerksbrauereien war, bringt es abschließend auf den Punkt: “Jede kleine Brauerei, die gutes Bier braut, macht auch Werbung für alle anderen.”

Fernweh nach Südtirol – auch im Glas?
Du bist gerade nicht in Südtirol, denkst aber trotzdem an Hopfen, Malz und Bergluft? Einige Brauereien und Plattformen bringen Südtiroler Bier auch zu Dir nach Hause.

Regionen und Brauereien im Überlick:
Geschrieben von Andreas Obexer Südtirol-interessierter Vater zweier kleiner Kids, der es liebt, seine Heimat immer wieder neu zu entdecken. Neben der wunderschönen Landschaft interessiert er sich besonders auch für Kultur, Tradition und Brauchtum in diesem wunderschönen Land. Mehr erfahren über Andreas